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22.10.2017

Die gesellschaftliche Stigmatisierung der Privatinsolvenz

Auf das Onlinekonto ohne Schufa setzen immer mehr Menschen in Deutschland. Auch die Hilfe einer Schuldnerberatung wird immer häufiger in Anspruch genommen. Doch von diesen Möglichkeiten abgesehen ist eine Entschuldung in Deutschland recht kompliziert – und deutlich schwieriger als in anderen Ländern. Das hat auch etwas mit gesellschaftlicher Stigmatisierung zu tun.

Dass in Deutschland jeder Zehnte Erwachsene seine Rechnungen nicht mehr begleichen kann, spricht eine klare Sprache. Es gibt in Deutschland mehrere Millionen Schuldner. In Deutschland, einem Land mit hohem Wohlstand und einer seit Jahren stark wachsenden Wirtschaft. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Privatinsolvenzen – weniger Menschen wählen also den Weg der kompletten Entschuldung über dieses Verfahren. Das wiederum hat mehrere Gründe, die nicht allesamt negativ sind. Doch es ist in Deutschland eben auch so, dass Scham beim Thema Schulden eine wichtige Rolle spielt. Durch die Stigmatisierung des Themas Schulden, traut sich hierzulande kaum jemand offen über seine Probleme zu sprechen. Hilfe wird zu spät in Anspruch genommen, die Privatinsolvenz wird mit allen Mitteln abgeblockt.

Schulden werden als Makel wahrgenommen

Das Problem liegt grundsätzlich darin begründet, dass Schulden hierzulande als ein großer Makel wahrgenommen werden. Wer mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, der wird in Deutschland förmlich gebrandmarkt. Das klingt krass, spiegelt allerdings durchaus die Realität wieder. In kaum einem anderen Land werden Schulden so negativ wahrgenommen wie in Deutschland. Auch deshalb setzen hierzulande viele Verbraucher auf einen möglichst anonymen Schuldenabbau, etwa durch ein Onlinekonto ohne Schufa. Gerade auf Grund dieser komplexen Situation bieten immer mehr Schuldnerberatungen anonyme und telefonische Beratungen an, um auch denen zu helfen, die sich nicht trauen. Ein Zeichen, das mehr als deutlich zeigt, wie negativ die Wahrnehmung von Schulden hierzulande wirklich ist.

Die große Angst vor einer Bloßstellung

Weil Schulden aber eben so negativ wahrgenommen werden, suchen sich die meisten Betroffenen hierzulande einfach keine Hilfe. Die Angst vor einer Bloßstellung ist einfach zu groß. Immer mehr Menschen verzichten deshalb darauf, sich helfen zu lassen. Angebote, etwa einer Schuldnerberatung, werden nicht angenommen. Auch Gespräche über das Problem, etwa mit der Familie oder mit Freunden, werden häufig vermieden. Dabei wäre es so wichtig, über die eigenen finanziellen Schwierigkeiten zu sprechen. Es kommt immer wieder vor, dass Freunde oder die Familie in der Lage wären, in der komplexen Situation zu helfen. Teilweise waren Nahestehende bereits einmal in derselben Situation und wüssten einen Ausweg. Beispielsweise wird auch das Onlinekonto ohne Schufa meist persönlich empfohlen – ohne Hilfe von anderen erfährt man von solchen Angeboten oft gar nicht.

Schulden verschlimmern sich ohne Hilfe

Dadurch, dass die Schulden immer mehr Menschen aber dazu bringen, nicht über ihre Schwierigkeiten zu sprechen, wird die Problematik immer größer. Experten gehen davon aus, dass sich zehntausende Privatinsolvenzen verhindern lassen würden, wenn sich Menschen früh genug Hilfe suchen würden. Natürlich ist der Scham vor einer Bloßstellung nur einer von vielen Gründen, der verhindert, dass Menschen auf ein Onlinekonto ohne Schufa und eine Schuldnerberatung setzen. Gleichzeitig ist es auch einer der unnötigsten, denn ohne die gesellschaftliche Stigmatisierung könnte deutlich mehr Menschen geholfen werden. Am Ende würden davon sogar alle profitieren.


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